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Das Gespenst der Deflation geht um

Sinkende Preise für Güter und Dienstleistungen bedrohen unseren Wohlstand.

Staatliche Rettungsprogramme für faule Kredite sollen eine Kreditklemme verhindern.

Die Verschuldung steigt weltweit auf ein Vielfaches der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Zur Stabilisierung des weltweiten Finanzsystems beginnen die USA, Japan und die EU mit dem Aufkauf ihrer eigenen Staatsanleihen.

Negativzinsen sollen die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

»Helicopter Money« – das Drucken und Verteilen von Geld – kommt als Lösung ins Gespräch.

Steht das kapitalistische Finanzsystem am Rande des Zusammenbruchs und damit die Welt vor einer neuen Weltwirtschaftskrise? Was ist das überhaupt für eine komische Krise?

Die physischen Reichtümer wurden nicht vernichtet. Es wurde nicht zu wenig produziert, sondern zu viel: zu viele Häuser, zu viele Autos, zu viele Lebens- und Konsumartikel.

Überproduktion ist das Synonym für die kapitalistische Wirtschaftskrise. Es gibt nicht zu wenig Produktionspotential, sondern Überkapazitäten.

Aber wieso können Überkapazitäten überhaupt zum Problem werden? Wenn zu viel produziert worden wäre, könnte man es doch einfach liegen lassen oder entsorgen. Ärgerlich wäre nur, dass zu viel gearbeitet wurde, statt sich früher der wohlverdienten Freizeit zu widmen.

Ja, so könnte man es machen, aber nicht im Kapitalismus.

In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gilt auf der Grundlage privatisierter Produktionsmittel folgende Gleichung: ohne Geld keine Zahlungsfähigkeit, ohne Zahlungsfähigkeit kein Geschäft, ohne Geschäftsaussichten keine Produktion.

Im Kapitalismus wird die Produktion nicht sachlich im Hinblick auf die Bedürfnisse und arbeitsteiligen Fähigkeiten der Gesellschaftsmitglieder organisiert, sondern bezogen auf die für das lohnende Privatgeschäft vorhandene Zahlungsfähigkeit.

Dieser gesellschaftliche Irrsinn bleibt nicht ohne Folgen.

Nicht nur in der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, sondern ebenso im Hinblick auf die kapitalistische Wirtschaftskrise, in der plötzlich zu viel Reichtum im Verhältnis zur vorhandenen Zahlungsfähigkeit den Ruin der Gesellschaft bedeutet.

Essen kann im Kapitalismus nur, wer auch bezahlen kann und wenn nicht genügend bezahlen können, gibt es auch keinen Grund zum Produzieren.

Gefangen in dieser Rationalität der kapitalis-tischen Wirtschaftsordnung werden vorhande-ne Produktionskapazitäten als Überkapazitäten parallel zur wachsenden Verarmung der Bevölkerung stillgelegt.

So einfach können im 21. Jahrhundert technischer Fortschritt und die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten nebeneinander stehen.

Ja, »der Kapitalismus ist nicht das einzige Produktionsverhältnis, in dem neben ungeheu-rem Reichtum riesige Armut existiert. Er ist allerdings die einzige Produktionsweise, wo der Überfluss an Gütern ein Problem darstellt. Wo zu viel Reichtum den Ruin der Gesellschaft bedeutet.« (1)

Red & Black Books 2020

ISBN: 978-3-9822065-0-9

157 Seiten, 12,50 €

(1) Michael Heinrich, Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung, Schmetterling Verlag 2005, Seite 169